Gestern Nacht war was los… Kann deswegen nämlich nicht schlafen. Mich beschäftigt die gestrige Nacht noch ganz schön. Bin irgendwie noch mit den Gedanken bei dem Mann, den ich auf der Strasse vor mir liegen sehe…
Ok, dann fang ich mal von vorne an. Ich war von Donnerstag auf freitagnachts am Bahnhof, im McDonalds, um meinen Mitternachts-Hunger zu stillen. Eigentlich wollte ich zuerst wieder rein gehen, als ich draussen ankam und feststellte das es regnet. Da ich aber wirklich einen Mega-Hunger hatte, entschied ich mich, doch eben noch schnell nen Burger zu essen. Was anderes findet man um diese Zeit ja nicht mehr.
Auf dem Rückweg, ich bin ich durch die Weidengasse (am Eigelstein) gefahren, und habe einfach nur diese wunderbare Ruhe genossen.
Sehr gemütlich rollte ich dahin, bis die Ruhe durch ein sehr lauten Schrei unterbrochen wurde. Ein Fussballfan kam auf mich zugelaufen und gröllte: ”Fussball YEAAAHHHHHH” – Dabei schwappte sein Dosenbier über. Im dunklen Eck dahinter standen ebenfalls noch einige finstere Gestalten, so das aus meinem gemütlichen daherrollen plötzlich wieder ein zügiges weiterfahren wurde.
Ich rief dann noch, mehr aus Wut vor dem Schreck: Oh bitte kein Fussball…..
Gut, dieses Erlebnis wart dann auch schnell vergessen, denn es wurde wieder still. Ich hörte auf mit trampeln und ging wieder in das urgemütliche rollen über. Das geht in der Weidengasse sehr gut.
Ein paar Minuten später wurde meine kölsche Ruhe erneut unterbrochen. Durch einen dumpfen Schlag. Es hörte sich ziemlich merkwürdig an, ich konnte aber, nachdem ich mich umgeschaut hatte, nichts feststellen. Ich schätze ich war noch knapp 100 Meter vom Hansaring entfernt, als ich schon die Lichter einer Warnblinkanlage sah. Da beschlich mich ein unheimliches Gefühl!
Im nächsten Moment war dann auch schon klar, das hier ein Unfall passiert war, denn ich sah eine Person am Boden liegen und mehrere die drum herum standen. Ausserdem ein Mercedes mit Warnblinkanlage. Es war immer noch am Regnen und nachdem ich Unfallstelle erreicht hatte, stellte ich sofort mein Rad ab. Ich erkundigte mich nach dem Stand der Dinge. Polizei und Notarzt schon verständigt? Was passiert war, konnte man deutlich sehen. Der Mann wurde von einem Mercedes-Benz erfasst. Die Windschutzscheibe, die Motorhaube und auch die Stossstange hatten deutliche Spuren. Aber auch an dem Mann, der auf dem Boden lag, konnte man deutlich erkennen, was passiert war. Während ich mich weiter umsah, auch wegen den anderen Verkehrsteilnehmern, die die Unfallstelle umfahren wollten, waren schon einige damit beschäftigt, die Unfallstelle abzusichern. Da das Unfallopfer bereits von mehreren Passanten versorgt wurde, überlegte ich, wie man den Verletzten vor dem Regen schützen und notdürftig versorgen kann. Ich fragte weiter, ob vielleicht jemand eine Rettungsdecke, einen Verbandskasten oder was zum abdecken hat, z.b. einen Schirm oder so was hat. Denn es war klar, das der da liegen bleiben muss, bis der Notarzt eintrifft.
Denn so wie der verbogen war, hätte ich mich auch schwer getan, den zu bewegen. Ausserdem war er ansprechbar und konnte einigermassen Auskunft geben.
Nach kurzen hin und her war weder eine Rettungsdecke noch ein Schirm zu finden, sodass der Mann neben mir kurzerhand seine Jacke auszog, die wir dann über den am Boden liegenden gespannt haben. Währenddessen versuchte ich ein wenig, den Mann abzulenken, denn der wollte die ganze Zeit aufstehen, was aber ganz klar nicht möglich war, so verdreht wie sein Bein war. Man konnte ihm förmlich ansehen, das er Angst hat.
Ich würde sagen, die Form des Beins passte ganz klar zur Form der Front des Mercedes.
Mir wurde etwas fleu im Magen, denn mit so was rechnet man nicht unbedingt, wenn man ‘mal eben was essen fährt’.
Es waren schon mindestens 5 Minuten vergangen, und noch immer keine Polizei und auch kein Notarzt zu hören!
Beide Schuhe hatte es ihm bei dem Zusammenstoss ausgezogen die etwas verstreut in der Gegend Rumlagen. Ausserdem hatte er mehrere stark blutende Kopfwunden, die wahrscheinlich von dem Schlag gegen die Windschutzscheibe und den Aufprall auf die Strasse stammten. Auch seine Hüfte sah nicht wirklich gut aus. Ziemlich eingedrückt.
So wie ich das sehe, wurde er mit der Stossstange am linken Bein erwischt, wurde auf die Motorhaube und mit dem Kopf auf die Windschutzscheibe geschleudert und ist dann runter auf den Boden gestürzt. Er wollte mit ziemlicher Sicherheit den Hansaring in Fahrtrichtung Ebertplatz von rechts nach links überqueren und wurde dabei von dem Benz erwischt. An der Stelle wo er lag, gab es allerdings weder einen Fußgängerüberweg noch einen Zebrastreifen.
Es hat rund 8 Minuten gedauert, bis der erste Streifenwagen der Polizei an der Unfallstelle eintraf. Der Polizist auf dem Fahrersitz erkundigte sich nur kurz, schaute sich um und setzte mit den Worten: ”Die Kollegen kommen gleich.” seine Fahrt fort. Im Wagen sassen mindestens 2 oder 3 Polizisten.
Nur warum helfen die nicht? Erst 2 Minuten später kam dann mit Blaulicht der 2.te Streifenwagen, die dann auch sofort damit begannen, den Hansaring zu sperren. Auch der Notarztwagen war nun zu hören und brauste heran.
Der Notarzt kam ran und fragte mich, ausgerechnet mich: Was ist passiert? Ich antwortete, während ich noch überlegt was ich antworten soll: “Erfasst vom Auto. Er ist ansprechbar, und hat einige Knochen gebrochen.” – Der Notarzt. “Ok, das denke ich mir, vielen dank.” Ich habe mich dann, wie auch 2 andere, gleich auf den Bürgersteig begeben, da ich definitiv nicht im Weg stehen möchte. Mir wurde ziemlich übel und ich begann, am ganzen Körper zu zittern. Während ich mich an der Hauswand anlehnte, beobachte ich die Situation weiter. Der Notarzt kümmerte sich mit den Rettungshelfern um den Verletzten. Gleichzeitig waren noch weitere Streifenwagen eingetroffen, wovon die einen den Hansaring dann an mehreren Punkten abgesperrt hatten und die anderen damit begannen, die Unfallbeteiligten zu befragen, die Unfallstelle zu vermessen und zu fotografieren. Eine Polizistin kam nach einer Weile auch in meine Richtung und befragte die Insassen mit denen ich an der Hauswand stand und über den Unfall-Hergang spekulierten. Nachdem die mit den beiden fertig war, und ich meinen Personalausweis stecken lassen konnte, weil ich es ja nur gehört hatte, fing die Polizistin an rum zu meckern.
Es passiert so was viel zu selten. So oft, wie hier in Köln bei Rot gefahren, gegangen und gerannt wird, müsste das viel öfter passieren. man man man…
(aus der Erinnerung geschrieben) – Ich war geschockt und bin es noch! Ist es denn möglich? Sowas von einer Polizistin im Dienst zu hören? – Gut, sie mag ja recht haben, das hier in Köln sehr viele bei Rot gehen, aber deswegen muss sie sich ja nicht die Unfälle wünschen! Ich war ja nicht der einzige, der das gehört hat. Da standen bestimmt noch 5 oder 6 drum rum, die das mitbekommen haben. Auch deren Kollege, der noch gelacht hat, als die das gesagt hat….
Alles in allem war es ein sehr bewegenes Erlebnis. Ich hoffe das es dem Mann wieder einiger Massen gut geht und die Knochen schnell heilen. Gute Besserung. Hat mich sehr bewegt, einen Unfall so mitzuerleben, wo ich doch selbst schon in dieser Situation war.
Nachtrag: Heute, am 18.12. war ein Bericht über den Unfall im Kölner Stadtanzeiger.